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Bademantel-Fast-Nackt-Nacht-Szene

Kinder, oft denken wir ja, dass es so richtig geile Filmszenen nur in Hollywood-Deep-Romance-Blockbustern gibt, aber ich sage es Euch, wenn wir die Augen nur offen halten und zwischendurch auch mal nach links und rechts gucken, dann werden uns auch ohne Filmindustrie immer wieder interessante, spannende und gleichsam unterhaltende Bildstreifen zuteil.
Neulich trug es sich zu, dass ich um fünf Uhr morgens nach einem langen Tag der in eine lange Nacht überging auf dem Nachhauseweg vollkommen übermüdet aus dem Fenster starrte und vor Erschöpfung meinen Augen kaum trauen konnte als sich mir folgende Szene darbot: vor dem Boulevard Hotel auf dem Hofweg rannte eine Frau in weißem Frotteebademantel barfuß einem schick gekleideten Gentleman hinterher. Die Frau hatte sich nicht lumpen lassen und neben dem Bademantel die komplette Spa-Bekleidung nebst Handtuch-Turban um die scheinbar noch feuchten Haare geschlungen, auf die Badeschlappen hatte sie allerdings verzichtet, war ja auch noch, äh, wieder, ach, wie auch immer, für sie scheinbar warm genug draußen. Eigentlich nicht, aber da hat ja jeder ein anderes Kälte-/Wärmeempfinden. Obwohl sie rannte war der ungefähr gleichaltrige Mann stets einen Schritt schneller und sie hatte Mühe ihn einzuholen. Er schien wütend zu sein, irgendwie aufgebracht, zumindest ziemlich unzufrieden, und im Gegensatz zu der badebemantelten Frau war er komplett in schicke Hose, Hemd, Sakko und Shiny Shoes gekleidet. Ein ungleiches Paar, ein asymmetrisches Bild, das sich mir da bot, und ich rieb mir noch mal die Augen um sicherzugehen, dass ich mir das was ich dort sah auch nicht einbildete.
Mein Blick war zwar müde, aber dennoch klar und ungetrübt, und diese Szene spielte sich tatsächlich vor dem Busfenster ab. Ich fragte mich was wohl dazu geführt haben mochte, dass diese Frau mitten in der Nacht in einem Hotel-Bademantel mit Handtuch um den Kopf und ohne Schlappen an den Füßen auf der Straße einem Mann hinterher rennt, der im Gegensatz zu ihr vollständig bekleidet ist? Es sah zumindest nicht offensichtlich nach einem „bezahlten“ Date aus sondern eher danach als ob die beiden sich schon länger als nur eine Nacht kannten, aber wieso flüchtet man(n) dann mitten in der Nacht AUS EINEM HOTELZIMMER? Waren die beiden vielleicht eigentlich auf einem romantischen Städte-Trip und dabei ist die Romantik dann nachts auf einmal ausgegangen und der Kerl hat vor lauter Enttäuschung das Weite gesucht? Habe ich das Ganze eventuell falsch interpretiert und mitten in der Nacht ist nicht etwa die Romantik sondern der Champagner ausgegangen und die Frau wollte sich mit ihrem abstrusen Outfit lediglich schnell genug einkleiden um ihrem Liebsten noch schnell vor die Tür zu folgen und ihm zu erklären welche Sorte er kaufen sollte, damit weder Romantik noch Alkohol-Durst auf einmal doch auf der Strecke bleiben würden? Oder habe ich mich geschickt in die Irre führen lassen und handelte es sich doch um einen gut gespielten und charmant getarnten Callboy, der auf Bestellung ins Hotelzimmer gekommen war und hatte die Frau sich wie ein wild gewordener Teenager in ihn verliebt und versuchte sie nun den Mann zum Bleiben zu überreden, mit zusätzlicher Bezahlung, diesmal vielleicht in Naturalien? Drum auch keine zusätzliche Mühe, in ihrer Vorstellung würde der Bademantel gleich wieder auf dem Boden des Hotelzimmers landen. Sobald sie beide wieder hinter gut verschlossenen Türen gemeinsam vereint wären.
Der Bus fuhr langsamer je näher er der Haltestelle beim Hotel Boulevard kam und der Mann stieg tatsächlich in den Bus ein als dieser hielt. Ich saß direkt vorne beim Busfahrer, auf der rechten Seite, ich war also ganz nah dran am wilden Geschehen und war selber furchtbar gespannt was nun passieren würde. Als er gerade ein Ticket lösen und bezahlen wollte, hatte die Frau ihn doch noch erreicht, stieg sogar mit nackten Füßen in den Bus ein, das alles direkt vor meiner Nase, und hielt den Mann mit flehentlichem Blick und einem zärtlichen aber bestimmten Griff um die Taille gerade noch im letzten Moment davon ab mit dem Bus davon zu sausen. Sodann traten die beiden schließlich doch zurück in die Dunkelheit der Nacht und der Busfahrer brauste ohne das ungleiche Paar von dannen.
Ich konnte nicht umhin und drehte mich noch einmal um. Das letzte was ich sah war dass die beiden an der Haltestelle standen und miteinander sprachen. Ich weiß somit nicht wie diese wilde Geschichte ausgegangen ist, aber manchmal ist es eben genau das was das Leben ausmacht. Wir wissen nicht wie eine Geschichte endet. Wir können uns in Geschichten hinein begeben und wir können neue Situationen erleben. Ob als Zuschauer oder als Protagonist in unserem eigenen Leben. Wir können uns dem Leben immer wieder neu stellen und uns und anderen in immer wieder neuen Situationen immer wieder neu begegnen. Wir können rätseln, über das Leben der anderen und über unser Leben, und manchmal werden wir keine Antwort bekommen und auch wenn wir sie noch so sehr suchen werden wir manchmal auch keine Antwort finden. Aber vielleicht müssen wir das auch gar nicht immer. Vielleicht machen die Dinge, die unbeantwortet bleiben manchmal eben diese Spannung aus, die wir uns oft wünschen, wenn wir Hollywood-Deep-Romance-Blockbuster sehen, aber im Gegensatz zu den Filmen geht unser Leben nach dem Abspann weiter und vor lauter Suche nach der Spannung und Aufregung entgeht uns manchmal vielleicht, dass sie direkt vor unseren Augen stattfindet. In nächtlichen Filmszenen. Oder ganz nebenbei in unserem eigenen Dasein, leise und versteckt, und doch oft so sicht- und fühlbar, dass wir wahrscheinlich vor lauter Schreck nicht hinschauen können. Was, wenn unser eigenes Leben am Ende spannender ist als jeder Hollywood-Film?
In diesem Sinne: enjoy the journey, lovers. Life is more than only one wild ride. Go for all the rollercoasters in the amusement parks. Happy wednesday.

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