Direkt zum Hauptbereich

Fehlt dem Deutschen Film das Charisma?

Kinder, da geht man einfach mal mir nichts, Dir nichts ganz spontan ins Kino und schaut sich, um die deutsche Filmbranche zu unterstützen, einen deutschen Film an. Nennen wir das Kind beim Namen und schauen gleichzeitig peinlich berührt in eine dunkle Ecke: ich habe mir Macho Man angesehen.
Und dann das: das Kinoerlebnis ist eine herbe Enttäuschung. Wir alle kennen das, man sucht sich manchmal auch einfach den falschen Film aus, aber Macho Man war einfach mal nichts. Gar nichts. Niente. Eine Null. STERBENSLANGWEILIG. Punkt. Ende. Aus. Eigentlich wäre das schon alles zu dem Thema, aber ich stelle mir dennoch folgende Frage: fehlt dem Deutschen Film das Charisma?
Oder ist diese Verallgemeinerung gerade eine böse Unterstellung? Es ist ja nicht so, dass die Macher von Macho Man es nicht versucht hätten. Aber versuchen allein reicht schon lange nicht mehr um dem Kinobesucher ein gutes Gefühl im Kinosessel zu vermitteln. Da wurde aufgefahren, hüstel, hüstel, mit einem ewig gleichen, ich möchte an dieser Stelle schon fast boshaft meinen einfarbigen Christian Ulmen, einem völlig uninteressanten Axel Stein, einer zur Eintönigkeit verdammten Inez Björg David, einem als Nacktmodel sicherlich erfolgreicheren Vladimir Burlakov und einer niedlichen, aber leider ziemlich belanglosen Aylin Tezel. Die einzigen Lichtblicke waren Samuel Finzi als komplett bescheuerter Agenturchef, Dar Salim als klischeebesetzter Macho-Türke und Mark Keller als clownsnasiger Flirt-Lüstling im türkischen Urlaubsparadies. What else? Wartet, um fair zu sein möchte ich auch die winzige Gastrolle der Nora Tschirner erwähnen, die als gefühlskalte Tattoo-Künstlerin kurzzeitiges Amusement hinterlässt. Dem deutschen Fussball-Fan zu Ehren erwähne ich ausnahmsweise noch den schrägen Mini-Auftritt von WM-Held Lukas Podolski. Auch wenn mein Bruder sagte, dass es sich doch schon allein wegen dieser Zentelsekunden-Szene lohnen würde, den Film trotzdem zu gucken, kann ich dem nicht zustimmen.
Der ganzen deutsch-türkischen Gesellschafts-Satire in Spaßform fehlt von vorne bis hinten das Charisma.  Und auch wenn mir viele nicht zustimmen werden, möchte ich für unseren omnipräsenten Til Schweiger an dieser Stelle eine Lanze brechen, denn der weiß zumindest, wie man Licht, Kamera und Kulisse einsetzen muss, um dem Filmerlebnis ein rundes Finish zu verpassen, auch wenn die Story an manchen Stellen ein bisschen hinkt.
Vielleicht hat dem Filmteam rund um Regisseur Christoph Wahl auch das Geld für talentierte Schauspieler gefehlt, das Catering am Set war so schlecht, dass die Mimen aus Rache ihren vereinbarten Pflichten nicht nachgekommen sind und mit Absicht schlecht gespielt haben, es kam zu Krach am Set, weil Ulmen-Ehefrau Collien Ulmen-Fernandes mit einem türkischen Animateur oder gar mit Mark Keller geflirtet hat oder Drehbuchautor Moritz Netenjakob war nicht lange genug auf der Filmhochschule um ein ordentliches Drehbuch abzuliefern. Vielleicht haben ConradFilm und Bavaria Pictures aber auch einfach geschlafen, als sie das Drehbuch durchgewunken haben und waren im Kopf schon wieder bei der nächsten durchkoksten Nacht mit angehenden ambitionierten Filmhäschen, was natürlich durchaus intensivere Emotionen hervorruft als The Next Big Thing im German Movie Theatre zu produzieren. Ich weiß es nicht. Ich kann ja auch nur raten. Vielleicht war der Film auch einfach nur der Prototyp und wurde ausversehen in den Filmverleih gegeben, obwohl die Szenen bisher alle nur zur Probe gedreht wurden und es erst in den nächsten Monaten in die heisse Phase gehen sollte. Das würde wiederum heißen, dass da zumindest eine Person beim Film so richtig geschlafen und das Ding so richtig dicke versaut haben muss, denn die- oder derjenige hat jetzt allen Mitwirkenden ihren großen Auftritt versaut und Deutschland muss sich mit der eintönigen, belanglosen, Ich-wünschte-der-Film-wäre-endlich-vorbei-Variante eines angekündigten Kassenschlagers die Zeit vertreiben, der eigentlich ALLES im deutschen Kino hätte verändern sollen.
Wie dem auch sei, das Rätsel ist heute wohl nicht mehr zu lösen, aber wenn jemand doch eine Idee hat, was da schief gegangen sein könnte, dann würde ich mich freuen zu hören, was es war.
Have a very happy weekend, lovers! Seize the day

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Muskulös

Kinder, endlich ist es wieder soweit! Es gibt Neuigkeiten aus der Welt der Internet-Liebenden und Online-Suchenden, aus der Welt der Scheinprinzen und Schaumschläger, aus der Welt in der alles kann aber nichts geht. Zumindest bei mir gerade nicht. Nicht mehr. Irgendwann ist auch mal Schluss im Bus. Aus die Maus. Und Ende im Gelände. Irgendwann ist das Maß auch einfach erst mal voll aber keiner weiß ob sich das nicht vielleicht auch ganz schnell wieder ändern kann. Und so widme ich mich für den Moment völlig selbstlos den wieder einmal unmöglichsten Suchanzeigen bei deren Lesegenuss klar ersichtlich werden sollte, warum die BILD Online kürzlich mit großen Lettern lockte „Zu früh gefreut beim ersten Match! Was beim Tinder-Date alles schief gehen kann!“ Bei den folgenden Annoncen kann ich mir zwar kaum vorstellen, dass dort allzu viel gematched wird, aber da auch ich nie auslerne kann ich natürlich nicht wissen wer Lust auf diese wildgewordenen Lüstlinge bekommt und das Netz nachträglich…

Ausgemustert

Kinder, Ihr kennt es, ich kenne es, die Frage ist: wer kennt es nicht? Wie oft stehen wir verzweifelt vor dem Kleiderschrank, vor Kommoden, Kisten, Kästen, Schubladen, noch immer nicht ausgepackten Tüten und Verstecken, die keiner jemals zu Gesicht bekommen darf, und reißen alles raus auf der bangen Suche nach einem passenden Kleidungsstück oder viel schlimmer noch nach einem ganzen passenden Outfit! Und so viel wir auch aus sämtlichen Stauräumen herausziehen und nach kurzem Zweifeln doch schnell wieder aufs Bett oder auf den Boden werfen, irgendwie gibt es immer wieder, und ich betone: IMMER WIEDER! Tage an denen wir so gar nichts finden wollen was zu unserer aktuellen Stimmungslage, zu unserem Gemüt, zur Situation, zum Anlass oder auch einfach nur insgesamt passen will. So ein Dilemma! Und wie kann das eigentlich sein? Oder gibt es dazu vielleicht gar keine logische Erklärung? Gibt es die vielleicht zu vielerlei Dingen, so sehr wir auch suchen und uns den Kopf darüber zerbrechen, ma…

Ein Date mit dem Märchenprinz

Kinder, es gibt wie so oft in meinem wilden Leben wieder einmal einiges zu berichten. Wo fange ich an, wo höre ich auf, und wann ist es eigentlich Zeit aufzuhören? Oder wann ist es Zeit etwas zu beenden? Wissen wir es wenn es soweit ist? Können wir es fühlen? Oder wollen wir es einfach nie wahrhaben wenn etwas vorbei ist und tun wir uns damit nicht noch viel mehr weh als wenn wir tatsächlich mit etwas aufhören würden, auch wenn es dann natürlich erst einmal ganz besonders wehtun würde?

Nun, Ihr merkt es, wieder einmal schweife ich ab. Wobei ich manchmal gar nicht so genau weiß ob ich denn wirklich abschweife oder ob nicht doch alles irgendwie miteinander zusammenhängt.

Nun denn, Kinder, erinnert Ihr Euch noch an den Märchenprinz? So getroffen im vergangenen November und sofort im Zauberbann gewesen. Aber das hatte sich dann ja ziemlich schnell erledigt. Und so bin ich doch wieder bei oben beschriebenem: Ist es manchmal vielleicht besser ein Ende mit Schrecken zu erleben, aber dann i…