Direkt zum Hauptbereich

Wie werde ich Schriftstellerin in zehn Tagen (Tag 7)

Kinder, ehrlich, ich bin ganz schön erschöpft. Und das liegt mit Sicherheit nicht daran, dass ich gestern feiern war, sondern daran, dass ich trotz Urlaub einfach nicht genug Zeit und Ruhe habe. Klingt komisch, aber es ist so. Ich brauche scheinbar weitaus mehr Ruhe als andere Menschen. Irgendwie komme ich aber nicht dazu mir genug Ruhezeiten zu nehmen. Allerdings kann man mir nicht vorwerfen, dass ich es nicht versuche. Aber der Reihe nach. Schließlich möchte ich Euch nicht vorenthalten was mich am gestrigen Tage ums erneute Mal, sapperlot noch eins, vom Schreiben abgehalten hat.
Als ich zur vormittäglichen Stunde aufwache und kurz darauf meinen Kaffee auf meinem Balkon in der Sonne genieße, beschließe ich kurzerhand, dass ich heute einfach mal zu Hause bleibe und meine Ruhe genieße. Und ausserdem wollte ich schon seit Ewigkeiten wieder einmal Waffeln backen! Das werde ich heute endlich tun. Es gibt wirklich wenige Dinge, die mich so entspannen wie backen und kochen. Supper, des passt! Meine Pläne werden jedoch für's erste jäh unterbrochen als es an der Tür klingelt und wenige Minuten später ein Hermes-Bote mit einem überdimensionalen Paket, und mit überdimensional meine ich wirklich ÜBERDIMENSIONAL, vor meiner Haustür erscheint. Ich muss urplötzlich schrecklich laut lachen, so dass der Hermes-Bote mich ganz verunsichert anschaut und fragt, was denn los sei, aber ich kann und will ihm gerade nicht erklären, dass ich mich über mich selbst totlache und darüber, dass ich wirklich ein durch nichts gerechtfertigtes, überaus fragwürdiges Hobby habe. WANN ZUR HÖLLE HABE ICH DAS DENN BESTELLT? Ich kann mich nicht erinnern und frage mich ernsthaft, ob ich noch alle Tassen am Schlüppi habe. Das wird alles auf der Stelle zurückgeschickt (Ich muss dringend etwas für meinen persönlichen CO²-Ausgleich tun! Wobei, ich fahre mit Bus und Bahn.), zusammen mit dem letzten, vergleichsweise winzigen Paket. Nur anprobieren will ich die "zur Ansicht überlassenen" Teile dann doch noch schnell. Wenn sie schon mal da sind, in besagtem überdimensionalen Paket, ach was sage ich: KISTE!, muss sich die Reise doch zumindest auch ein bisschen gelohnt haben. Und so verbringe ich die kommende Stunde mit auspacken, anprobieren, vor dem Spiegel abschätzig gucken, wieder ausziehen, doch noch mal schnell anprobieren, ordentlich verpacken und der genugtuenden Erkenntnis, dass ich wirklich nichts davon brauche. GAR NICHTS. Bis auf die zwei schlichten Pullover mit dem Schornsteinkragen aus dem Basic-Sale vielleicht. Wie sich bereits mehrfach herausgestellt hat, kann man in Punkto Basic-Sale-Einkauf gar nicht vorausschauend genug handeln. Und alles andere schleife ich zurück in den Tabakladen. (Ob die mich direkt töten werden oder ob ich erstmal nur Hausverbot erteilt bekomme?) Gut, tragen wäre besser, schließlich trainiert das die Arme und beugt bereits erwähnten Winkearmen vor. Und da kann man gar nicht genug gegen antrainieren. Wehe denen, bei denen es bereits zu spät ist. Nachdem ich mich viel zu lange mit einer meiner geheimen, mehr als durchgeknallten Lieblingsbeschäftigungen aufgehalten habe, widme ich mich der Zutatenliste für die Waffeln. Das dauert einen klitzekleinen Moment, da meine Küche zwar klein, meine Ordnung jedoch angsteinflößend ist, und so muss ich erst an ein paar Tütensuppen ziehen und ein paar Gewürze aus dem Weg räumen, um an die Essential Goods zum Backen zu kommen. Notiz an mich selber: ich brauche bis Ende des Jahres, oder vielleicht auch darüber hinaus, keine Tütensuppen zu kaufen. Und wenn der Preis im Angebot noch so verlockend ist! Als ich endlich alles zusammengesammelt habe, brauche ich noch schnell mein Backbuch und dann geht es los: ich wiege und rühre, vermische und vermenge, probiere, inhaliere (letzteres nicht mit Absicht, das Mehl stäubt einen immer wieder unvorhergesehen an) und manövriere und kurze Zeit später ist mein Waffelteig fertig. Nun fix das Waffeleisen aus dem Schrank geholt und ich kann mit dem Waffeln backen beginnen. Herrlich. Ein leichter Hauch von Vaniellezucker und frischem Teig liegt in der Luft und ich genieße das Backen und das anschließende Puderzucker-Bestreuen. Ich könnte ewig so weiter machen! Als der Teig dann verbraucht ist, nasche ich nebenbei schon mal heimlich (heimlich ist gut! wer sollte mich denn sehen?!) und koche mir eine Kanne Jasmintee. Und dann lasse ich mich mit meinen Leckereien in die Kissen meines Sofas sinken und schaue mir den fabelhaften Mädchenfilm "Der perfekte Mann" auf DVD an. Ach, schöner könnte es gerade einfach nicht sein. Die Waffeln sind köstlich und der Jasmintee schmeckt nicht nur fabelhaft, sondern wärmt und entspannt auch ganz wunderbar. Als der entzückende Film dann jedoch zu Ende ist, merke ich, dass es mittlerweile an der Zeit ist mich für die Farewell-Party meiner alten Freundin Janeddi fertig zu machen. Nach mega Stylen ist mir wie so oft in letzter Zeit ums erneute Mal überhaupt nicht, und so entscheide ich mich für eine weite, löchrige Boyfriend Jeans, ein helles ärmelloses Oberteil (genau, das besagte schlichte Top ohne Ausschnitt!) und meine pinken Birkenstocks, drehe meine Haare zurück in einen Dutt und male mir die Lippen rot an. Wenigstens letzteres lässt darauf hindeuten, dass ich mir Mühe gegeben habe. Und das sieht bei mir nun mal anders aus. So, flux meine Strickjacke eingepackt, bei Penny noch einen Rosé erstanden und auf gehts Richtung Studentenwohnheim und der Party der Nacht. Als ich dort meine Lovebirds entdecke, ist die Freude des Wiedersehens erst einmal groß, dann sichern wir uns eilig selbstbewusst das große Sofa und schenken uns fröhlich jeglichen Wein nach, denn wir mitgebracht haben und, zur späteren Stunde, irgendwo entdecken können.Wir kommen von Pontius zu Pilatus, lachen, quatschen und albern herum, personalisieren nebenbei noch unser Abschiedsgeschenk und genießen den lustigen Abend. Bis ich später zufällig Marc kennenlerne. Den hübschen, sehr attraktiven Marc, der auf einmal in der Küche vor mir steht und ich nur denke: man, ist der heiß. Wenig später hat Marc mich in ein Gespräch verwickelt und wir haben uns nach draußen zurückgezogen, wahrscheilich, weil man dort besser reden kann. Hey, ich sage extra WAHRSCHEINLICH. Wir unterhalten uns tatsächlich sehr gut und Marc ist auch wirklich sehr nett, aber als er versucht mich zu küssen, kann ich einfach nicht. Erst denke ich, dass ich tatsächlich doch vollkommen übergeschnappt sein muss, ich meine: er ist WIRKLICH SEHR ATTRAKTIV, aber dann weiß ich, dass mein Herz noch immer jemand anderem gehört und jemand anderen als diese Person kann ich gerade einfach nicht küssen. Und so erlebe ich einen Carrie-ähnlichen Moment: ich weine während ein heißer Typ versucht mich zu küssen. Ich weine zwar nicht wie bei SATC in seinen Mund, aber ich weine, denn ich liebe jemand anderen. Und die versuchten Küsse von Marc sind scheinbar nur dazu da um mich zu verhöhnen und mir aufzuzeigen, dass ich die andere Person noch mmer viel viel viel viel viel zu gerne habe. Aber Marc ist nicht nachtragend, im Gegenteil, er scheint zu verstehen (vielleicht hat er so was ja auch schon mal erlebt? Ich meine, weiß man's?) und so unterhalten wir uns nach seinen missglückten Kuss-Versuchen einfach weiter. Bis er mich irgendwann bittet ihm meine Nummer zu geben. Was ich nach einigem Zögern auch tue. Was soll schon passieren? Ich habe eh kein Interesse, so hübsch er auch ist, und vielleicht finde ich hier ja gerade meinen neuen besten Freund. You never know what happens next. Zur sehr späten nächtlichen Stunde macht Marc sich dann auf den Nachhauseweg, allein, ich hoffe, er findet es nicht allzu tragisch, und nach ein paar letzten Gläschen Vino machen auch meine Lovebirds und ich uns auf den Nachhauseweg. Gottseidank erzählt unser schwuler Freund uns in der Bahn noch ein paar überaus anzügliche Geschichten und obwohl ich wahrlich nicht prüde bin, kriege ich vor gruseligem Staunen den Mund nicht zu. Aus Gründen des Daten- und Jugendschutzes muss ich an dieser Stelle selbstverständlich jegliche frivolen Einzelheiten für mich behalten. Endlich zu Hause geht die Sonne schon fast wieder auf, fast!, und ich muss schleunigst ins Bett. Zu spät fällt mir ein, was ich wie immer nicht geschafft habe, aber darüber kann ich nun wirklich nicht mehr nachdenken.
Tja, Kinder, Ihr seht ich bin ehrlich und gebe offen zu, warum ich es auch gestern nicht geschafft habe endlich mit dem Schreiben zu beginnen. Und auch heute könnte es eng werden. Denn ich musste erstmal ausschlafen, schließlich stecken mir zwei lange durchfeierte Nächte in den Gliedern. Und auch in jungen Jahren muss man sich angemessen ausruhen und erholen. Schlauer Fuchs wie ich es bin habe ich mir für heute einen Termin im Spa gemacht. Schon die ganze Woche freue ich mich auf meine wunderbare Anwendung Lavender Dreams, und da ich seit über einem halben Jahr keinen Urlaub hatte, habe ich mir dieses Treatment auch mehr als verdient. Beschwingt kaufe ich frische Brötchen beim Bäcker, stelle gut gelaunt fest, dass im Fernsehen "Plötzlich Prinzessin 2" läuft und ich somit eine passende Unterhaltung für mein ausgiebiges Frühstück habe und lasse mir die erste Mahlzeit des Tages besonders gut schmecken. Eine Weile später mache ich mich auf den Weg und genieße einen fabelhaften herbstlichen Spaziergang zum Spa. Die Sonne scheint und ich sammle ein paar Kastanien. So wie wir es früher als Kinder gemacht haben. Als ich die Schönhheitsfarm erreiche, bin ich gleich darauf umgeben von wohlriechenden Düften und feinen Aromen. Und als ich dann zur Behandlung gebeten werde, streife ich nicht nur meine Kleidung, sondern auch für eine lange wohltuende Weile den Alltag und alles was damit zusammenhängt ab... Lavender Dreams. Diese ganz besondere Auszeit habe ich wirklich gebraucht. Nach meiner herrlich entspannenden Anwendung mache ich mich durch die herbstliche Spätnachmittagsluft leichten Schrittes auf den Nachhauseweg. Später skype ich endlich mal wieder mit meinem Lieblings-Freund, der momentan in München arbeiten muss. Ich vermisse ihn und genieße unser lockeres Geplauder, und merke ums erneute Mal, dass es nicht viele Menschen gibt, mit denen ich so entspannt quatschen und rumdödeln kann wie mit ihm. Und dann ist es endlich soweit für das geheime Highlight der Woche: "Schwiegertochter gesucht." Was zur Hölle treiben Ingo und seine Eltern denn heute schon wieder für einen Blödsinn? Da wird einem ja regelrescht unwohl in der Magengrube. An und für sisch stellt sisch auch regelrescht die Frage, warum Ingo's Eltern da überhaupt mitmachen, aber ich gehe ja ganz stark davon aus, dass sie auf diesem Wege nach neuen Swingerpartnern suchen. Gottseidank ist auch heute das Stinktier alias Marco wieder mit von der Partie, der mit seinem Freund Harald ein neues Bett aufbaut, damit letzterer dort mit seiner Angebeteten übernachten kann. Nicht nur die Stories sind Highlight-mässig, auch was die Alliterationen angeht ist der RTL heute wieder ganz vorne mit dabei und als die Rede von "germanischen Gaumenfreuden" und "asiatischem Aufschnitt" ist, pruste ich Beate und Irene fast meinen Tee ins Gesicht. Also an und für sisch jetzt, denn die beiden sehe isch ja regelrescht nur im Fernsehen. Und auch da sage ich noch einmal laut: gottseidank! Denn in diesem Fall ist sichere Entfernung mit Sicherheit von Vorteil. Die Entspannung des Fernsehabends wird fortgesetzt mit Tatort Münster und ich freue mich, dass ich Boerne und Thiel bei ihren verrückten Verfolgungsjagden (nimm das, RTL!) begleiten kann. Nachdem der Fall gelöst und der Mörder gefasst ist, bin ich auf einmal so müde, dass ich einfach nur ins Bett möchte. Ich kann heute beim besten Willen nicht mehr mit dem Schreiben anfangen, aber ich glaube morgen, morgen!, ist es dann endlich so weit und ich kann richtig loslegen. Für den Moment wünsche ich Euch eine Gute Nacht und wunderbare Träume. Wenn nicht sogar Lavender Dreams. Sleep very well.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Muskulös

Kinder, endlich ist es wieder soweit! Es gibt Neuigkeiten aus der Welt der Internet-Liebenden und Online-Suchenden, aus der Welt der Scheinprinzen und Schaumschläger, aus der Welt in der alles kann aber nichts geht. Zumindest bei mir gerade nicht. Nicht mehr. Irgendwann ist auch mal Schluss im Bus. Aus die Maus. Und Ende im Gelände. Irgendwann ist das Maß auch einfach erst mal voll aber keiner weiß ob sich das nicht vielleicht auch ganz schnell wieder ändern kann. Und so widme ich mich für den Moment völlig selbstlos den wieder einmal unmöglichsten Suchanzeigen bei deren Lesegenuss klar ersichtlich werden sollte, warum die BILD Online kürzlich mit großen Lettern lockte „Zu früh gefreut beim ersten Match! Was beim Tinder-Date alles schief gehen kann!“ Bei den folgenden Annoncen kann ich mir zwar kaum vorstellen, dass dort allzu viel gematched wird, aber da auch ich nie auslerne kann ich natürlich nicht wissen wer Lust auf diese wildgewordenen Lüstlinge bekommt und das Netz nachträglich…

Ausgemustert

Kinder, Ihr kennt es, ich kenne es, die Frage ist: wer kennt es nicht? Wie oft stehen wir verzweifelt vor dem Kleiderschrank, vor Kommoden, Kisten, Kästen, Schubladen, noch immer nicht ausgepackten Tüten und Verstecken, die keiner jemals zu Gesicht bekommen darf, und reißen alles raus auf der bangen Suche nach einem passenden Kleidungsstück oder viel schlimmer noch nach einem ganzen passenden Outfit! Und so viel wir auch aus sämtlichen Stauräumen herausziehen und nach kurzem Zweifeln doch schnell wieder aufs Bett oder auf den Boden werfen, irgendwie gibt es immer wieder, und ich betone: IMMER WIEDER! Tage an denen wir so gar nichts finden wollen was zu unserer aktuellen Stimmungslage, zu unserem Gemüt, zur Situation, zum Anlass oder auch einfach nur insgesamt passen will. So ein Dilemma! Und wie kann das eigentlich sein? Oder gibt es dazu vielleicht gar keine logische Erklärung? Gibt es die vielleicht zu vielerlei Dingen, so sehr wir auch suchen und uns den Kopf darüber zerbrechen, ma…

Ein Date mit dem Märchenprinz

Kinder, es gibt wie so oft in meinem wilden Leben wieder einmal einiges zu berichten. Wo fange ich an, wo höre ich auf, und wann ist es eigentlich Zeit aufzuhören? Oder wann ist es Zeit etwas zu beenden? Wissen wir es wenn es soweit ist? Können wir es fühlen? Oder wollen wir es einfach nie wahrhaben wenn etwas vorbei ist und tun wir uns damit nicht noch viel mehr weh als wenn wir tatsächlich mit etwas aufhören würden, auch wenn es dann natürlich erst einmal ganz besonders wehtun würde?

Nun, Ihr merkt es, wieder einmal schweife ich ab. Wobei ich manchmal gar nicht so genau weiß ob ich denn wirklich abschweife oder ob nicht doch alles irgendwie miteinander zusammenhängt.

Nun denn, Kinder, erinnert Ihr Euch noch an den Märchenprinz? So getroffen im vergangenen November und sofort im Zauberbann gewesen. Aber das hatte sich dann ja ziemlich schnell erledigt. Und so bin ich doch wieder bei oben beschriebenem: Ist es manchmal vielleicht besser ein Ende mit Schrecken zu erleben, aber dann i…