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Wie werde ich Schriftstellerin in zehn Tagen (Tag 3)

Kinder, heute ist es endlich so weit! Heute gebe ich Vollgas. Heute lege ich los. Heute mache ich einen Ausflug. Schliesslich habe ich Urlaub und muss die Gunst der Stunde und der ebenfalls günstigen Zusammenstellung aus strahlendem Sonnenschein und annähernd ausreichend Zeit im Angebot endlich nutzen und ins sagenumwobene Blankeneser Treppenviertel und an den Strand fahren. Ich war zwar schon mal dort, aber das ist eine ganze Weile her und seitdem wollte ich unbedingt immer wieder dorthin zurück. Und so springe ich heute morgen nachdem ich mich noch einmal ganz kurz umgedreht habe aus dem Bett und gönne mir erstmal eine ausgedehnte Kaffeepause auf dem Balkon in der herrlichsten Spätsommersonne und lasse den Tag gemütlich angehen. So gehört es sich nämlich im Urlaub. Weil es draussen so schön ist, beantworte ich von meinem sonnenüberströmten Platz aus noch schnell ein paar E-Mails und und gönne mir anschliessend ein kleines Brunch-ähnliches Frühstück, damit ich auch ordentlich gestärkt bin, und dann springe ich in meine heißen dunklen Jeansshorts im Used-Look, ein enges weißes T-Shirt und meinen hellen Cashmere-Cardigan, schlüpfe in meine pinken Birkenstocks, packe in wilder Windeseile meinen Rucksack samt Decke und Snacks und verlasse fluchtartig meine Wohnung, wieder einmal ohne mir die Haare zu kämmen, aber die sehen auch im locker zusammengesteckten Dutt wirklich gut aus. Am Bahnhof kaufe ich noch fix ein Wasser und steige dann in die Bahn Richtung Blankenese. Dort angekommen suche ich nach der im Internet herausgesuchten Buslinie, die mich direkt ans Wasser bringen soll. Ich muss jedoch entdecken, dass es sich bei besagter Buslinie um einen Schnellbus handelt, und für dessen Nutzung muss man leider einen Aufpreis zahlen. Aber, Fuchs, der ich bin (oder wie Joshy einst in einem Karl-May-Sommer auf der Segeberger Freilichtbühne sagte: "Schlauer als jeder Fuchs, mein Freund!") schaue ich einfach wohin der Bus fährt und abbiegt und gehe zu Fuss in die erspähte Richtung. Ich hatte schon immer einen guten Orientierungssinn und dank der logischen Schlussfolgerung, dass der Bus nicht lange unterwegs gewesen wäre (ich habe mir die Wegeszeit nicht nur im Fahrplan, sondern auch die Strecke auf der Karte angeguckt), kann ich dank schnellen Kopfrechnens eins und eins zusammenzählen und mir ausrechnen, dass ich auch zu Fuss nicht lange unterwegs sein würde. Und ich habe recht. Und mache zudem einen ganz wunderbaren Spaziergang durch das malerische, dörflich anmutende Blankenese, denke kurzzeitig an die Beverly Hills Folge "Wo bitte geht's zum Strand?" und kichere gut gelaunt in mich hinein, begegne sämtlichen Nationalitäten (Engländer, Franzosen, Schweizer, Einheimische, Bauarbeiter) und gelange schließlich direkt zum Treppenviertel. Genau dort wollte ich hin. Fabelhaft. Flink wie eine junge Katze mache ich mich die Treppenstufen hinab in Richtung Strand und stehe wenige Zeit später vor dem glitzernden Wasser. Es ist wie am Meer, und da die Elbe ins Meer führt, lasse ich heute auch einfach mal alle fünfe gerade sein und tue einfach so als ob ich am Meer bin. Ich streife kurzerhand meine Birkenstocks ab und gehe barfuss durch den hellen Elbstrandsand den Strandweg hinunter. So ein strammer Fussmarsch durch den Sand ist zwar gar nicht so locker leicht wie er sicherlich aussieht, aber er trainiert Waden und Schenkel ungemein. Und so nehme ich die ungeplante Ausdauerübung als willkommenes Training und stapfe der Sonne gutgelaunt entgegen. Nach einem wohluenden, leicht anstrengenden Spaziergang erreiche ich die Stelle am Elbstrand, an der ich vor einer gefühlten Ewigkeit das erste Mal den Zauber dieses wunderschönen Fleckchens entdeckt habe und lasse mich hier auf meine mitgebrachte Decke sinken. Ich schaue auf das glitzernde Wasser, die vorbeifahrenden Containerschiffe, die klitzekleinen Segelboote, die Wellen, die sanft den Strand hinaufrollen, höre das Rauschen des Meeres, das leise Rascheln des Windes und spüre den Sand zwischen meinen Zehen. Mein Buch bleibt im Rucksack, ebenso meine Musik, ich lege mich einfach nur auf den Rücken, schaue eine Weile in die kleinen vorbeiziehenden Wattewölkchen und schliesse irgendwann einfach die Augen. Nichts ist mehr wichtig, alles ist ruhig und entspannt und ich lasse für eine kleine Weile all das los was mich beschäftigt und beunruhigt und gebe all diese Gedanken und Gefühle den Wellen mit, die sie mit sich ins Meer tragen und sich dort zwischen all dem Wasser verlieren und in Luft auflösen. Herrlich... Ich muss eine ganze Weile dort gelegen und vor mich hin geträumt haben. Es ist tatsächlich spät geworden, als ich irgendwann in meine Umgebung zurückkehre, und ich will gar nicht los, will mich nicht aus meinem Paradies verabschieden, will mich weiterhin in der herrlichen Spätnachmittagssonne bräunen lassen, aber man soll gehen, wenn's am schönsten ist und so mache ich mich ein wenig schwerherzig auf den Rückweg. Nachdem ich jedoch beschlossen habe wiederzukommen, fällt mir dieser deutlich leichter und ich geniesse die wunderbare Abendluft, die leicht und vielversprechend auf dem ehemaligen Fischerdörfchen liegt. Hier zu wohnen wäre mit Sicherheit fabelhaft überlege ich während ich den Strandweg hinuntergehe, sicherlich fühlt man sich dann jeden Tag so als wäre man im Urlaub. Allerdings müsste man dann auch jeden Tag die Strandtreppe nicht nur hinunter sondern auch hinauf eilen denke ich kurze Zeit darauf mit einem winzigen Schnaufen im Atem, aber was, wiederum, tut man nicht alles für straffe Schenkel und stramme Waden! Wahrscheinlich haben hier alle Einheimischen fantastische Beine! Ich sollte dahingehend investigieren. Und dann gegebenenfalls doch in eine baldige Zukunft am Strandweg investieren. (Meine Güte, ich bin den Fremdworten aber auch mächtig! Da kann sich Ingo samt seiner Familie mal eine gehörige Scheibe von abschneiden. Das könnt Ihr gerne so weitergeben, RTL! Und wenn wir hier schon beim Thema Fitness sind: mit Sicherheit hätte der Ingo mehr davon jeden Tag die Strandtreppe ein- bis siebzehn Mal rauf und runter zu spazieren, als sich mit irgendwelchen komischen Eiweißdrinks mit Caramell-Geschmack vollzuschütten und zu behaupten, dass davon, gepaart mit seinem hahnebüchenden Krafttraining, seine Muskeln gestählt werden. Abnehmen sollte der Jung', und sich nicht von Werbung und Sendern, die in diesem Zusammenhang mit Sicherheit gerne unerwähnt bleiben, verarschen lassen. An und für sisch kann man da regelrescht sischer noch was machen.) Auf dem Weg zurück zum Bahnhof stelle ich ums erneute Mal fest, dass Blankenese wirklich einen gemütlichen Dorf-ähnlichen Charakter hat und merke dann zu spät, dass ich mir gerne irgendwo ein Eis gekauft hätte. Aber ich habe ja noch mein Wasser dabei, man kann auch wirklich nicht immer alles haben. Die Heimfahrt nutze ich um meinen Gedanken weiter ein bisschen nachzuhängen bis mich der Anruf meines Bruders aus dem Hinfortschweifen reißt. Wir quatschen den gesamten Rückweg hindurch. Während ich bei Edeka an der Wursttheke wieder von dem netten Fleischereifachverkäufer bedient werde, der sich am Montag über mein "trauriges Abendessen" meinte lustig machen zu müssen, lege ich natürlich eine Höflichkeitspause ein. Heute ist dieser wirklich richtig schlecht gelaunt, was ihm jedoch sicher recht geschieht, schließlich war sein Spruch am Montag echt unpassend und außerdem weiß er ja nicht mal was für ein fantastisches Abendessen ich hatte. Ha! Da ich dann beim Nachhausekommen nicht nur mit Erschrecken feststelle, dass Verbotene Liebe nicht nur schon längst angefangen hat, sondern heute gar nicht erst läuft (warum zur Hölle läuft da bloß dieses komische Fussball?!), telefoniere ich einfach weiter mit meinem Bruder und versuche so die aufkommende Enttäuschung im Keim zu ersticken. Als wir irgendwann tatsächlich zum Schluss kommen können, kümmere ich mich flux um mein Abendessen. Schließlich ist Mittwoch und das heißt vor allem eins: Würstchen-im-Schlafrock-Abend. Während kurze Zeit darauf mein Leibgericht im Ofen brutzelt, springe ich noch schnell unter die Dusche um mir den Sand aus den Haaren zu waschen. Anschließend läute ich mit einem Gläschen Rosé die abendliche Entspannung auf dem Balkon ein und bin ganz beseelt über meinen fabelhaften Tag am Strand. Ich muss wirklich und unbedingt dorthin zurück. Die Abendluft ist heute wieder einmal fantastisch und ich könnte ewig hier draussen sitzen bleiben. Doch dann ist es Zeit für meine Würstchen im Schlafrock und den Film der Stunde: "Lovestories." Und während ich esse, mich anschliessend angenehm weich in die Kissen fallen lasse und meinen Film schaue, fällt mir ein, was ich auch heute wieder nicht geschafft habe: ich wollte doch endlich mit dem Schreiben anfangen. Wie sonst soll denn in zehn Tagen eine Schriftstellerin aus mir werden? Sapperlot, noch eins! Aber Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag von der Wölfin gesäugt. (Wobei ich nicht weiß, ob das jetzt wirklich in den Zusammenhang passt. Da muss ich noch mal bei dem RTL nachfragen, ob ich das so schreiben kann.) Ich hatte heute einen wirklich schönen Tag, und das ist das wichtigste. Was morgen ist steht so oder so in den Sternen, aber ich gebe nicht auf. Denn wie hieß es in einer kürzlichen Begegnung so schön: Aufgeben sollte man nie. In diesem Sinne: Gute Nacht und bis morgen. Sleep very well.

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