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Ein Date mit dem Märchenprinz

Kinder, es gibt wie so oft in meinem wilden Leben wieder einmal einiges zu berichten. Wo fange ich an, wo höre ich auf, und wann ist es eigentlich Zeit aufzuhören? Oder wann ist es Zeit etwas zu beenden? Wissen wir es wenn es soweit ist? Können wir es fühlen? Oder wollen wir es einfach nie wahrhaben wenn etwas vorbei ist und tun wir uns damit nicht noch viel mehr weh als wenn wir tatsächlich mit etwas aufhören würden, auch wenn es dann natürlich erst einmal ganz besonders wehtun würde?

Nun, Ihr merkt es, wieder einmal schweife ich ab. Wobei ich manchmal gar nicht so genau weiß ob ich denn wirklich abschweife oder ob nicht doch alles irgendwie miteinander zusammenhängt.

Nun denn, Kinder, erinnert Ihr Euch noch an den Märchenprinz? So getroffen im vergangenen November und sofort im Zauberbann gewesen. Aber das hatte sich dann ja ziemlich schnell erledigt. Und so bin ich doch wieder bei oben beschriebenem: Ist es manchmal vielleicht besser ein Ende mit Schrecken zu erleben, aber dann ist vorbei auch vorbei? Oder ist ein Schrecken ohne Ende lebenswerter, weil es immer aufregend bleibt? Lieber eine erneute zerplatzte Seifenblase die manchmal eben viel zu schnell zerbirst als die ewig spannende aber gleichsam ewig ungewisse Amourösität mit herzerfrischendem Nervenkitzel aber ohne die leiseste Wegweisung warum, wieso, wozu, weshalb, und warum mache ich das hier eigentlich mit?

Abschweifen scheint tatsächlich zu mir dazuzugehören wie das Sammeln von Dingen mit Ankern und Schnurrbärten. Aber ich bin mir sicher es gibt schlimmeres.

Nun trug es sich also zu, dass der verschollene Märchenprinz auf einmal wieder aus dem Märchenwald auftauchte.

„Charlotte, mittlerweile Ende Februar! Wollten wir nicht auf einen Drink in Deine Lieblingsbar? Liebe Grüße, der Märchenprinz“

Ich nahm mir ein paar Tage Zeit um zu überlegen was ich damit anfangen sollte, und schrieb dann das folgende:

„Märchenprinz, sicher entschuldigst Du meine Verwirrung, aber ich meine mich zu erinnern, dass Du mich im November zum Essen in Dein Lieblingsrestaurant einladen wolltest. Von Drinks in meiner Lieblingsbar war vorerst keine Rede. Grüße, Charlotte.“

„Wirklich? Asche auf mein Haupt!! Wann gehen wir essen? Liebe Grüße, der Märchenprinz.“

Um mich kurz darauf mit dieser Einladung zu überraschen:

„Dienstagabend, 20h im Gasthof zum Tapferen Schneiderlein. Ich habe eben reserviert. Ist das okay für Dich?“

„Holst Du mich ab?“

„Selbstverständlich Charlotte!“

„19.45?“

„Perfekt. Da bin ich bei Dir wenn Du mir verrätst wo.“

„Im Dornröschenschloss.“

„Wir haben ein Date! Schlaf später schön Charlotte!“

Tja, Kinder, und ob Ihr es nun glaubt oder nicht, aber der Märchenprinz und ich hatten tatsächlich ein Date. Er holte mich nicht nur mit einer Kutsche ab, er hatte dafür sogar einen Kutscher engagiert. So hatten wir Zeit uns in der Ruhe auf der Rückbank bei anregendem Geplauder das erste Mal tief in die Augen zu schauen.

Und das war noch lange nicht alles. Der Märchenprinz hielt mir die Kutschtür auf, er half mir aus der Kutsche, er öffnete mir galant die Tür vom Gasthof zum Tapferen Schneiderlein und half mir aus dem Mantel, er bestellte zwei Gläser Champagner zum Aperitif, fragte ob ich gerne eine Vorspeise hätte und welchen Wein ich gern trinken möchte, schenkte mir Wasser nach wenn mein Glas leer wurde und fragte sowohl beim Entree als auch bei der Hauptspeise fürsorglich nach ob es mir denn auch wohl munde, er stand auf als ich mir, wie es bei Pretty Woman so schön heißt „den Lidstrich nachziehen“ ging und stand ebenso galant wieder auf als ich zurückkehrte, er half mir nach unserem Dinner in meinen Mantel, öffnete mir die Kutschtür mit Kutscher um dann auf der anderen Seite einzusteigen und half mir vor dem Dornröschenschloss gleichsam galant aus der Kutsche heraus.

Eigentlich alles zu schön um wahr zu sein. Und das war es auch. Ein wirklich schönes Date. Ein schöner Abend. Mit einem großzügigen Märchenprinzen.

Aber, und ja, da ist es, das aber. Und es ist so schade, dass es das aber gibt. Denn so Märchenprinz-mäßig der Märchenprinz sich auch verhalten hat, erfahren habe ich irgendwie nicht wirklich etwas von ihm. Denn er tat das worin auch ich nur allzu gut bin, und was ich mir gerade mühsamst wieder abgewöhne. Ich konnte ihn nicht greifen. Er wirkte abgeklärt, aufgesetzt und ein wenig unecht, obwohl ich ihm die ganze Märchenprinz-Geschichte an sich absolut abgenommen habe. Aber bei allem anderen ist irgendetwas gewesen das mich nicht hat zu ihm durchdringen lassen. Da hat er Märchenprinz nämlich das um sich herum aufgebaut was auch ich in jahrelanger Feinarbeit um mich herum aufgebaut habe: eine hohe Mauer und einen tiefen Graben um das Märchenschloss vor Feinden und ungebeten Gästen zu beschützen. Um sein gutes Herz zu schützen. Denn, auch wenn er noch so schwerlich greifbar war, so habe ich doch das Gefühl dass der Märchenprinz tatsächlich ein gutes Herz hat. Das er schützen muss. So wie wir alle. Nur dass er seins eben doppelt und dreifach schützt. So wie auch ich das tue.

Müssen wir also sein wie wir denken dass wir sein müssen damit uns niemand zu nahe kommen kann? Und trifft das vielleicht auch auf andere Gestalten aus dem Märchenwald zu und nicht nur auf den exotischen Märchenprinz?

Darauf angesprochen habe ich den Märchenprinzen, aber seine Reaktion hätte ich mir eigentlich denken können: Er reagierte abweisend und mit Unverständnis und behauptete, dass ich die erste Prinzessin bin die ihn je darauf angesprochen hätte. Punktum könne das gar nicht sein, denn sonst hätte es ja schon eher einmal jemand zu ihm gesagt oder ihn darauf aufmerksam gemacht.

Und jetzt? Ich kann es Euch nicht sagen. Ein Happy End ist nicht in Sicht. Und ob ein Wiedersehen ansteht weiß gerade wohl nur der Abendwind. Und vielleicht nicht mal der.

Bleibt die Frage ob wir uns mit dem märchenhaften zufrieden geben sollten? Oder ob wir doch das Echte suchen, auch wenn da ganz viel Märchenhaftigkeit auf einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen oder an Glanz und Gloria verlieren könnte? Oder ob es vielleicht sogar beides geben kann? Denn auch wenn der Märchenprinz fest davon ausgeht, dass alles entweder schwarz oder weiß ist, so glaube ich doch daran, dass es auch all die Farbtöne dazwischen gibt und dass es Märchenhaftigkeit und Echtheit im Gleichklang geben kann.

Wie all das aussehen kann weiß auch ich gerade noch nicht. Aber was wäre das Leben ohne offene Fragen. Ich denke für heute ist es wichtig sich daran zu erinnern, dass Liebe möglich ist. Das ist für einen Freitagabend schon eine ganze Menge. Und alles Weitere sehen wir dann.

In diesem Sinne, und Ihr kennt es bereits: Stay open. Lightning could strike. Have an outrageously beautiful friday night, lovers! Enjoy everything with all your heart! Always.

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