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Til Schweiger's Pilsklause

Kinder, kennt Ihr das? Ihr trefft einen richtig heißen Typen und denkt: Ooohhhh, mit dem hätte ich gerne Sex! Und dann verabredet Ihr Euch mit dem richtig heißen Typen in der Erwartung auf richtig tollen Sex. Mit erregten Gedanken und beschwingten Gefühlen macht Ihr Euch ausgehbereit und freut Euch auf einen tollen Abend. Und dann, dann habt Ihr Sex mit diesem richtig heißen Typen. Aber er hat es einfach nicht drauf. Genauer gesagt hat er gar nichts drauf, irgendwie kann er nicht mal richtig gut küssen. Und dabei sah er so gut aus! Was für ein Reinfall! Und wie, nur wie, kommt man mit diesem Missvergnügen zurecht?

Nun, ungefähr so ist es mir am vergangenen Wochenende ergangen. Allerdings geht es in meiner heutigen Kurzkritik nicht um schlechten Sex sondern um eine andere herbe Enttäuschung: Ein Besuch in Til Schweigers’ sagenumwobenem Barefood Deli in der Lilienstraße in der Hamburger Altstadt. Oder wie ich den Laden ab sofort nenne: Til's Pilsklause.

Aber der Reihe nach, wir wollen die Kirche schließlich nicht unbegründet zurück befördern, auch wenn man sie von Anfang an hätte im Dorf lassen können.

Das kürzlich mit wildem Tamtam und unzähligen Prominenten eröffnete Edel-Deli besticht beim Eintreten ohne Frage durch ein fabelhaft schönes Interieur, hübsche Kellnerinnen, die wissen dass sie hübsch sind aber so tun sollen als würden sie es nicht wissen, viel Holz, viel warmes Licht, gelungen gewählte klare und gleichsam wohl dosierte feine Einrichtungselemente, die direkt Lust auf Hinsetzen und Genießen machen und nicht zuletzt stilsicher designte wohlduftende Waschräume mit Bildern aus Til Schweigers Filmen an den Toilettenwänden und Hintergrundstimmen, die den Besuchern Geschichten erzählen.

So behände die Einrichtung auch gewählt ist und den Gast einlädt sich in den bereits bekannten und bewährten Farb-und Lichtspielereien aus Herrn Schweigers Kassenschlagern niederzulassen würde nach dem Gefühl, das nach Betreten des Deli schnell entsteht, jedoch keiner der Gäste auch nur annähernd wagen barfuß im neuesten In-Restaurant der Stadt zu erscheinen. Denn hier scheint eine unausgesprochene High-Heels- und Schminkschatullen-Nutz-Pflicht zu bestehen. Oder finden die berühmten Model-Nächte von Michael Ammer bei denen es damals im Valentino’s heiß her ging seit Anfang November im Barefood Deli statt? Hat der Club du Nord gar eine neue Dependance in der Innenstadt? Muss man demnächst vielleicht sogar Eintritt und damit eine Gebühr fürs Schaulaufen bezahlen um überhaupt dort essen zu dürfen? Ich bin verwirrt. Und furchtbar froh, dass ich durch einen bunten Zufall dem unausgesprochenen Dress Code entsprochen und sowohl High Heels als auch ein Outfit das dem dort üblichen Glamour Glitzer Gloria nachkommt getragen habe. Puh, Glück gehabt.

Aber wir halten uns mit Nebensächlichkeiten auf und das ist ja nun auch nicht Sinn der Sache. Angekündigt als „The Next Big Thing“ habe ich einen kulinarischen Gaumengenuss erwartet und wurde herbe enttäuscht. So wie man eben enttäuscht ist wenn man mit einem heißen Typen verabredet ist und er einfach nicht gut küssen kann geschweige denn toll im Bett ist.

Ganz ehrlich, Herr von und zu Schweiger, ist das Ihr Ernst? Bio links, Bio rechts, Wein aus eigenem Anbau, selbstgebrautes Bier und eigens geschöpftes Wasser aus wahrscheinlich selbstgebauten Brunnen sollen sicherlich den geilen und wichtigen Trend der Nachhaltigkeit unterstützen und Ihr weitreichend bekanntes Gutmenschentum hervorheben, aber Bio kann noch so Bio sein, wenn der Geschmack auf der Strecke bleibt und man sich einfach nur verarscht fühlt. Wirklich, ernsthaft, eine Flasche Leitungswasser, Entschuldigung, Barewater!, für vier Euro plus wird in einer Milchflasche serviert ? Das einzige was dafür angefertigt wurde war mit Sicherheit kein nachhaltiger Brunnen sondern ein spezieller SodaStream für Til’s ganz bestimmt ebenfalls eigens designte Glasflaschen um das aus dem Wasserhahn gezapfte Wasser mit Sprudel zu versetzen. Wenn man jedoch heutzutage schon mit Wasser verarscht wird, weiß ich nicht wo das ganze noch hinführen soll! Bumsfideralala. Echt jetzt.

Damit jedoch noch lange nicht genug. Als wir bestellen wollten wurde uns erst mal gesagt, dass wir das was wir bestellen wollen nicht bestellen können, weil die Karte nicht mehr aktuell ist und gerade umgestellt wird. Ach so, klar, so läuft das heutzutage, kein Monat im Geschäft aber die Karte ist schon nicht mehr aktuell und wird gerade umgestellt. Ist doch logisch. Wahrscheinlich haben die Mitarbeiter so viel zu tun mit dem Abfüllen des Wassers aus dem Wasserhahn und dem Aufsprudeln mit Til’s in Handarbeit angefertigtem SodaStream (Ab wann es den wohl zu kaufen gibt? Und wann er dafür wohl einen Nachhaltigkeitspreis gewinnt?) dass die Karte und das Essen darunter zu leiden haben und es das was in der Karte steht leider so nicht mehr gibt. Für mich ist das total logisch, und für alle anderen sicherlich auch.

Also disponierten wir um. Und warteten. Lange. Sehr lange. Ich meine, ein Deli ist doch einer von diesen Läden in die man eigentlich mal schnell reingeht, kurz etwas isst und dann mit wehendem Haar weitereilt? Scheinbar nicht. Aber man lernt nie aus.

Um die Wartezeit zu verkürzen, in diesem Falle für Euch da Ihr sicher genauso sehnsüchtig auf das Essen wartet wie wir vor wenigen Tagen, heißt es in Til’s Pilsklause übrigens gleich zu Beginn: „Absolute Beginner. Wir sind keine Anfänger – aber wir fangen gerade erst an. Nicht mit unserem Deli, sondern mit dem Küchenteam. Deshalb ist unsere Karte zunächst reduziert und konzentriert auf das, was schon absolut lecker ist. Aber mit der Erfahrung wächst auch die Vielfalt versprochen. Let’s begin!“

Die Getränke waren nahezu leer als der zwischen all den durchgestylten Kellnerinnen fast schon etwas schlaff wirkende aber nette Kellner uns darüber informierte, dass er uns nicht vergessen habe aber in der Küche gerade so viel los sei, dass es leider noch (immer noch?) einen Moment dauern würde bis unsere Speisen kämen. Äh ja. Ist ok. War es weil wie schon gesagt er recht nett war dann auch kurz. Aber auch nur solange bis das Essen irgendwann endlich kam. Ich musste mein Ceviche, also eigentlich die von Emilio (laut Karte) mit einer Lupe suchen die leider nicht in mein Abendtäschchen gepasst hatte und somit frage ich mich noch immer wie sich dafür ein Preis von knapp vierzehn Euro ergibt. Ich bestellte zusätzlich einen Burger und French Fries, der Kellner riet mir von Til’s Bolognese ab, da „das eine richtig große Portion sei und man davon zusammen mit den Ceviche echt satt wird.“ Aber die hätte ich vielleicht doch mal nehmen sollen, denn dann hätte ich nach dem Abendessen nicht mit dem Gedanken gespielt den nächstmöglichen McDonalds aufzusuchen. Ich wette der Burger hätte dort hundert Mal besser geschmeckt als das was da irgendwann vor mir auf dem Tisch stand. Äh, ohne Worte. Aber gutes Essen ist für mich von dem was ich am vergangenen Wochenende im Barefood Deli gegessen habe in etwa so weit davon entfernt wie meine gerade noch geheime Blitz-Verlobung mit Henning Baum. Oder war es Brad Pitt?

Der angeblich eigens angebaute und natürlich ebenfalls eigens gekelterte Barefoot-Wein schmeckte wie so’n Hauswein halt so schmeckt, nur leider viel schlechter. Und auch wenn wir eigentlich ein Til’s Pils (witzige Wortspielerei, Herr Schweiger) probieren wollten, haben wir uns unschweren Herzens dagegen entschieden, denn wir hatten genug Speisen und Getränke probiert um für uns zu wissen, was dieser ganze Budenzauber von außen darstellen sollte aber hinter den Kulissen tatsächlich ist: Viel Wind um Nichts. Ein Haufen heiße Luft. Ein aufgesprudeltes Leitungswasser in einer Milchflasche. Ein Mode-Gag. Eine Verarsche am interessierten Genussfreund. Ein Spiel mit vorgetäuschten Tatsachen. Oder einfach nur DAS ÜBLICHE?

Und wenn man sich diesen Gedanken vielleicht ein wenig auf der Zunge zergehen lässt, auch wenn er nicht besser schmeckt als Bio links, Bio rechts, Bio fallengelassen, dann merkt man doch schnell was für ein windiger, wenngleich auch kluger Geschäftsmann Til Schweiger ist indem er ganz genau den Zahn der Zeit trifft: So tun als ob. Und ich frage mich immer wieder ob wir das nicht alle ein Stück weit tun, gut, der eine mehr, die andere weniger, aber wie klug muss man am Ende sein um mit dieser Modeerscheinung Geld zu verdienen? Ganz genau. Ich sage es ja immer wieder: Schlau sind diejenigen die aus Scheiße Geld machen. Und da es davon scheinbar immer noch nicht genug Menschen gibt werde ich mich am besten schnellstmöglich darüber informieren wie auch ich das schaffen kann.

Vielleicht ist aber auch Neu-Gastronom Til Schweiger sich noch nicht ganz sicher wo genau die Reise hingehen soll und überlässt den Gästen aus diesem Grund die Entscheidung, denn auf der Getränkekarte heißt es wie folgt: „Time for whatever. Ist das hier jetzt eine Bar, ein Café, ein Deli oder ein Restaurant? Können Sie selbst bestimmen – mit dem passenden Getränk. Von Saft bis Highball – we’re prepared!“

Und vielleicht ist genau das das Geheimnis: Einfach machen. Und während man macht weitersehen.

Wenn doch nur das Essen besser geschmeckt und man sich nicht durchweg verarscht gefühlt hätte. Dann hätte ich beim währenddessen weitersehen gerne zugesehen.

McDonalds wäre zugegebenermaßen sicherlich auch nur kurzzeitig befriedigend gewesen, aber ich mache es einfach anders: Ich halte auch weiterhin die Augen offen. Nach gutem Essen. Nach guten Typen. Und nach gutem Sex.

In diesem Sinne: Das Barefood Deli ist so oder so genusstechnisch ein derber Reinfall und ich kann und werde dieses Restaurant nicht weiterempfehlen. Aber das was dahintersteckt könnte zu einer Erfolgsstory werden die ich definitiv näher betrachten möchte.
Enjoy the ride, lovers. Always. Have a very happy tuesday!

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